Die Ziege und der grüne Stuhl

Im Morgendunst am Waldesrand
steht eine Ziege – selbstbewusst im Land.
Ganz ohne Mantel, ohne Kleid,
so wie die Natur sie einst befreit.

Ihr Fell im Wind, ihr Blick so klar,
kein falscher Schein, nichts wunderbar
Verstelltes oder geschniegelt fein –
sie sagt: „Ich darf doch einfach sein.“

Mit würdig wippendem Ziegenschritt
zieht sie den grünen Stuhl sich mit.
Ein alter Sessel, moosbewachsen,
auf Wiesenwegen, die sacht verwachsen.

Dort thront sie gern im Sonnenschein,
lässt Bergluft durch die Hörner wehn.
Die Welt mag tuscheln: „Ist das fein?“
Sie kaut nur Gras – lässt’s einfach gehn.

Denn was die Ziege uns hier zeigt,
ist Freiheit, die sich nicht verneigt.
Kein Urteil hängt an ihrem Gang,
kein Maßstab macht ihr Wesen bang.

So zieht sie weiter, stolz und still,
weil sie genau so leben will.
Im grünen Stuhl durch Wald und Flur –
ganz ungeschminkt. Ganz Ziege. Ganz Natur.